Zwischen Abschied und Neubeginn – was die Ostenqualität uns lehrt

Wir sind gerade in Portugal.
Und irgendwie fühlt sich alles nach Übergang an.
Nachts hat mein Mann von einer Motte geträumt.
Einer großen, schweren Motte.
Er wollte sie erschlagen – oder hat es zumindest versucht.
Ich bin davon wach geworden, weil er mir im Schlaf auf den Rücken geschlagen hat.
Am Morgen ließ mich dieses Bild nicht mehr los.
Denn für mich ist die Motte ein Wesen des Ostens.

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Die Ostenqualität – der Raum dazwischen
In der Arbeit mit dem Lebensrad (z. B. bei Barfuß & Wild) steht der Osten für den Frühling.
Für den Beginn. Für das Licht.
Und gleichzeitig wird oft übersehen:
Der Osten ist nicht einfach ein „Neustart“.
Er ist der Moment davor.
Der Moment, in dem etwas zu Ende ist –
aber das Neue noch keine Form hat.
Ein Dazwischen.
Ein Noch-nicht.
Ein Raum, der sich nicht festhalten lässt.
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Wenn das Alte gegangen ist – aber das Neue noch fehlt
Ich erlebe gerade, wie präsent diese Qualität sein kann:
Mein Mann ist im Übergang zwischen dem Tod seines Vaters und der bevorstehenden Beisetzung.
Mein Sohn steht zwischen dem Ende seiner Beziehung und einem neuen Lebensabschnitt.
Und ich selbst spüre, wie sich etwas in mir verschiebt.
Weg von der Rolle der Begleitenden,
hin zu etwas, das ich vielleicht vorsichtig „Ältestenschaft“ nennen würde.
Nicht, weil ich mehr weiß.
Sondern weil ich beginne, Dinge halten zu können,
ohne sie sofort lösen zu müssen.
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Die Motte – ein Wesen zwischen den Welten
Die Motte bewegt sich im Dunkeln – und wird vom Licht angezogen.
Sie ist empfindlich. Suchend. Nicht geradlinig.
Vielleicht steht sie genau für das, was im Osten geschieht:
Ein vorsichtiges Tasten.
Ein Sich-Hinbewegen zu etwas, das noch nicht klar ist.
Und vielleicht erklärt das auch, warum sie im Traum meines Mannes erschlagen werden sollte.
Denn dieser Zustand ist schwer auszuhalten.
Das Unklare.
Das Offene.
Das Noch-nicht-Wissen.
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Warum wir den Osten so oft überspringen wollen
In meiner Arbeit erlebe ich immer wieder:
Menschen kommen ins Coaching – mitten in einem Übergang.
Und sie wünschen sich vor allem eines: Klarheit.
Eine Entscheidung.
Einen nächsten Schritt.
Eine Richtung.
Was sie eigentlich suchen, ist oft der Norden:
Struktur, Orientierung, Verstand.
Aber sie stehen noch im Osten.
Und der lässt sich nicht überspringen.
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Die Würde des Unfertigen
Vielleicht ist das die eigentliche Einladung des Ostens:
Nicht sofort weiterzugehen.
Nicht sofort zu entscheiden.
Nicht sofort zu wissen.
Sondern:
Zu bleiben.
Zu spüren.
Zu würdigen, dass etwas zu Ende gegangen ist.
Und dass etwas Neues sich erst noch zeigen darf.
Der Osten ist zart.
Und genau darin liegt seine Kraft.
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Was meine Rolle darin ist
Ich merke, dass meine Aufgabe in solchen Momenten nicht darin liegt, Antworten zu geben.
Sondern Räume zu halten.
Für das, was noch keinen Namen hat.
Für das, was sich erst langsam zeigt.
Für das, was vielleicht wie eine Motte ist –
unscheinbar, suchend und doch voller Bedeutung.
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Eine Frage zum Schluss
Vielleicht kennst du solche Momente auch.
Momente, in denen du zwischen zwei Lebensphasen stehst.
Nicht mehr dort – aber auch noch nicht angekommen.
Dann frage dich einmal:
Was wäre, wenn du diesen Raum nicht sofort verlassen musst?
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Manchmal beginnt etwas Neues nicht mit einem klaren Schritt.
Sondern mit dem Mut, noch einen Moment länger im Unklaren zu bleiben.




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