Halt finden, wenn der Boden sich verändert

Ich bin gerade in Portugal unterwegs, auf der Rota Vicentina.
Der Weg ist uneben. Mal Sand, mal Felsen, mal rutschig, mal fest. Es geht hoch, runter, manchmal schräg. Und ich merke: Ich bin nicht ganz stabil unterwegs. Ich torkle ein bisschen.
Nicht nur wegen des Weges.
Sondern auch, weil innerlich gerade etwas in Bewegung ist.
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Während ich gehe, wandert meine Aufmerksamkeit immer wieder zu meinen Füßen.
Ich spüre den Untergrund.
Wie fest er ist.
Wo ich auftreten kann.
Wo ich besser vorsichtig bin.
Und dann fällt mir ein:
Das habe ich nicht hier gelernt.
Das kommt von früher.
Mein Vater hat Orientierungslauf gemacht.
Ich war als Kind oft dabei. Nicht besonders ehrgeizig, nicht besonders gut – aber immer mittendrin. Querfeldein. Über Waldboden, Wurzeln, Steine, nasse Stellen. Immer in Bewegung, immer suchend.
Und ohne dass ich es bewusst gemerkt habe, habe ich etwas gelernt:
Nicht, wie man besonders schnell ist.
Sondern, wie man spürt, wo der Boden trägt.
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Heute, viele Jahre später, ist dieses Wissen einfach da.
In meinen Füßen.
Ich muss nicht lange überlegen.
Ich setze auf, korrigiere, verlagere mein Gewicht.
Manchmal unsicher, aber meistens tragend.
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Als ich Marcus kennengelernt habe, waren wir zusammen in Kanada auf einem Kongress.
Nachmittags konnten wir Skifahren gehen.
Er konnte kaum Skifahren.
Ich habe versucht, es ihm zu erklären – und habe gemerkt, dass ich gar nicht über Technik spreche.
Ich habe gesagt:
„Spür in deine Füße.“
Ohne Stöcke.
Einfach stehen, gleiten, wahrnehmen.
Nicht kontrollieren, sondern Kontakt aufnehmen.
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Vielleicht ist das das, was mich gerade auch hier auf dem Weg begleitet.
Dass ich nicht alles verstehen muss.
Nicht alles kontrollieren kann.
Nicht jeden Schritt vorhersehen muss.
Sondern dass es reicht, in Kontakt zu bleiben.
Mit dem Boden.
Mit mir.
Mit dem, was gerade ist.
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Manchmal wird es wackelig.
Ich habe eine neue Gleitsichtbrille.
Wenn ich nach unten schaue, verschwimmt der Boden ein bisschen. Es fühlt sich unsicher an. Dann nehme ich sie ab.
Auch das ist interessant.
Es gibt Momente, da hilft mehr Überblick.
Und es gibt Momente, da ist es besser, wieder ins direkte Spüren zu gehen.
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Der Weg hier zwingt mich dazu, langsamer zu werden.
Aufmerksamer.
Weniger im Kopf, mehr im Körper.
Und vielleicht ist genau das die Form von Orientierung, die gerade dran ist:
Nicht die große Karte.
Nicht die perfekte Planung.
Sondern Schritt für Schritt.
Spüren, wo ich auftrete.
Und darauf vertrauen, dass ich nachjustieren kann, wenn es nötig ist.
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Ich merke, wie viel Ruhe in diesem Gedanken liegt:
Dass ich den Boden nicht kontrollieren muss.
Sondern lernen darf, ihn zu erspüren.
Und dass das, was ich dafür brauche, längst in mir angelegt ist.




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