Vom Problem zur Veränderung …?
- Dr. Verena Müller-Wieprecht

- vor 7 Tagen
- 2 Min. Lesezeit
Warum Übergangsprozesse nicht linear verlaufen
Menschen kommen oft mit dem Gefühl, dass etwas nicht stimmt. Etwas passt nicht mehr. Etwas hakt. Etwas macht müde oder eng.

Manchmal nennen sie es ein Problem.Manchmal einfach nur eine Belastung. Fast immer ist der Wunsch klar: Es soll sich etwas verändern.
Der Blick geht dann schnell nach vorn. Zur Lösung. Zur Bewältigung. Zu dem Punkt, an dem es endlich anders ist.
Was dabei leicht übersehen wird:Zwischen dem Wahrnehmen dessen, was gerade ist,und dem Wunsch nach Veränderungliegen mehrere innere Räume.
Und nicht jeder Raum spricht dieselbe Sprache.
Manche Menschen beginnen damit, sehr genau zu wahrnehmen. Sie beobachten sich, ihren Alltag, ihren Körper. Andere kommen eher über das Benennen: Sie wollen Worte finden für das, was sie beschäftigt. Wieder andere sind längst im Tun, im Wandeln, im Bewältigen, im Vorangehen.
All das gehört zu Veränderungsprozessen dazu. Und doch geraten diese Räume oft durcheinander.
Dann wird gehandelt, bevor etwas wirklich benannt wurde. Oder etwas soll bewältigt werden, das noch gar nicht gewürdigt ist.
In meiner Arbeit hilft es, diese inneren Räume nicht als Schritte zu verstehen, sondern als unterschiedliche Haltungen, in denen Menschen sich zu verschiedenen Zeiten wiederfinden.
Ein Raum, in dem etwas wahrgenommen und beobachtet wird. Ein Raum, in dem etwas gewürdigt, benannt und mit Bedeutung versehen wird. Ein Raum, in dem gewandelt, bewertet, bewältigt wird. Und ein weiterer Raum, der oft keine klare Bezeichnung hat.
Ein Raum danach.
Dieser Raum danach ist kein Ort des Handelns. Hier geht es weniger um Veränderung als um Warten, Bewahren, Bleiben.
Etwas ist geschehen. Etwas wurde entschieden oder gelöst. Und nun braucht es Zeit, damit sich das Gewordene setzen kann.
Viele erleben diesen Raum als leer. Oder irritierend. Oder erschöpfend.
Und vielleicht gehört genau das dazu.
Diese Texte sind eine Einladung,diese Räume genauer zu betrachten. Nicht um sie festzuschreiben. Nicht um sie richtig zu durchlaufen.
Sondern um zu spüren: Wo stehe ich gerade? Und was wäre jetzt stimmig –nicht als nächster Schritt, sondern als nächster Raum.



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